Wachaufestspiele
Turbulenter Auftakt bei den Wachaufestspielen Weissenkirchen
WEISSENKIRCHEN IN DER WACHAU. Ein kurzer Regenschauer gehört im Sommer-Freilichttheater fast schon zum guten Ton – am Ende siegte jedoch die Geduld der Zuschauer und des Ensembles über die Wolken: Am Dienstag, den 21. Juli 2026, feierten die Wachaufestspiele Weissenkirchen die erfolgreiche Premiere der rasanten Komödie „Carmen darf nicht platzen“. Dabei blieb es zwar nicht durchgehend trocken, aber extrem unterhaltsam. Ein kurzes Bangen gab es etwa 20 Minuten vor der eigentlichen Pause: Wegen einer vereinzelten Regenzelle musste Intendant Marcus Strahl die Vorstellung kurzzeitig unterbrechen. Nach rund 25 Minuten war die lästige Wolke jedoch über Weissenkirchen hinweggezogen. So konnte der Premierenabend schlussendlich trocken, gewohnt lustig und mit großem Erfolg im Teisenhoferhof zu Ende gespielt werden.
Opernchaos unter Wachauer Sternen
Das Hauptstück der diesjährigen Saison stammt aus der Feder von Komödien-König Ken Ludwig und ist die Fortsetzung seines Welthits „Otello darf nicht platzen“. Nach dem Erfolg der Wiener Erstaufführung brachte die Neue Bühne Wien das rasant getaktete Stück nun in die Wachau. Unter der feinfühligen Regie von Monika Steiner entfaltete sich ein meisterhaft getimtes Verwechslungsspiel im Cleveland der 1950er-Jahre, bei dem jede Pointe hervorragend gesetzt war – kein Wunder, schließlich hat Steiner bereits bei der legendären Inszenierung von „Otello darf nicht platzen“ als Regieassistentin an der Seite von Theaterlegende Otto Schenk gearbeitet.
Die treffsichere Komödienkunst lebte vor allem von einer herausragenden Ensembleleistung, bei der jede Figur punktgenau gezeichnet war. Anna Sophie Krenn überzeugte als schüchterne Assistentin Jo mit einem feinen Gespür für Rhythmus. Sie meisterte den vielschichtigen Wandel von der unscheinbaren Helferin zur strahlenden Operndiva absolut bravourös. An ihrer Seite glänzte Leila Strahl als exzentrische Weltstar-Sopranistin Elena Firenzi mit sprühendem italienischen Temperament. Mit ihrer wunderbar dramatischen Star-Attitüde und köstlichem Flair spielte sie die urkomischen Eifersuchtsanfälle ihrer Rolle auf den Punkt aus. Ihr eifersüchtiger Ehemann Pasquale wurde von Alfons Noventa mit viel Leidenschaft verkörpert. Er brachte feurige Komik auf die Bühne und bildete das perfekte temperamentvolle Gegenstück zur Diva.
Für gewitzte Gegenpole sorgte Anita Kolbert, die der stets am Rande des Nervenzusammenbruchs stehenden Operndirektorin eine herrlich autoritäre Präsenz verlieh. Mit souveräner Mimik und rasantem Spiel hielt sie die Strippen im drohenden Theaterchaos fest in der Hand. Doris Richter-Bieber überzeugte als vornehme Vorsitzende des Fördervereins Julia mit meisterhaftem Sprachwitz. Darüber hinaus glänzte sie stimmlich und begeisterte das Publikum mit großartigen Interpretationen bekannter Opernarien.
Geza Terner sorgte als narzisstischer Tenor Leo für verlässliche Lacher beim Publikum. Seine eitle Selbstdarstellung auf der Bühne war ein echter Genuss und traf genau den Nerv der Farce. Leopold Dallinger gab den charmanten Direktorensohn Jerry. Er verlieh seiner Figur eine mitreißende Energie, die dem rasanten Tempo des Stücks spürbar guttat. Kira Koppandi komplettierte das Verwechslungsspiel als quirlige Hotelpagin Beverly gekonnt. Mit ihrem aufgeweckten Spiel und perfektem Timing setzte sie in den entscheidenden Szenen wirkungsvolle Akzente.
Das ausdrucksstarke Bühnenbild von Martin Gesslbauer und die glanzvollen 50er-Jahre-Kostüme von Petra Teufelsbauer wurden durch das großartige Maskenbild von Coco Schober perfekt ergänzt, das den Akteuren den idealen Look verlieh. Am Ende wurde die großartige Leistung des gesamten Teams mit tosendem Applaus und Standing Ovations belohnt. „Carmen darf nicht platzen“ ist noch bis zum 9. August 2026 jeweils von Freitag bis Sonntag im Teisenhoferhof zu sehen. Bei anhaltendem Schlechtwetter wird in die nahegelegene Wachauhalle ausgewichen.
Der Ausblick auf den weiteren Festspielsommer 2026
Nach der Komödie geht das Sommerprogramm unter der Intendanz von Marcus Strahl nahtlos und hochkarätig weiter:
- „Der Wachauer Jedermann“ (21. bis 30. August 2026): Auf vielfachen Wunsch kehrt der Klassiker in der regionalen Mundartfassung zurück. Intendant Marcus Strahl übernimmt selbst die Hauptrolle des Jedermann, an seiner Seite ist Ulli Fessl als Mutter zu sehen.
- Nostalgisches Schlager- & Hommage-Wochenende: Ende September stehen zwei musikalische Highlights auf dem Programm: Die Hommage „Merci Chérie – Danke Udo“ und die nostalgische Schlagerrevue „Komm ein bisschen mit nach Italien“. Beide Vorstellungen sind bereits vollständig ausverkauft.
- Glanzvoller Saisonabschluss (5. September 2026): Den gebührenden Schlusspunkt setzen die beiden international gefeierten Opernsänger und Brüder Peter und Paul Edelmann. Sie begeistern das Publikum am 5. September mit einem stimmungsvollen Wienerliedabend, feinfühlig begleitet von Manfred Schiebel am Klavier.
Tickets & Informationen:
Weitere Details zum Spielplan und Restkarten erhalten Sie unter www.wachaufestspiele.com.
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